Weintradition trifft auf imposante Architektur

Claudia Diemar im Schwarzwälder Bote, Ausgabe Rottweil, am 15.01.2021:

Bruchsal. Der Kontrast könnte nicht größer sein: eben noch die barocke Herrlichkeit des Bruchsaler Schlosses, jetzt die kühne Architektur des Weingutes Klumpp am Stadtrand. Wie ein Schiffsbug ragt das Gebäude hinter den Reben auf. Eine großzügige Terrasse sitzt vor der durchgehenden Fensterfront. Dahinter liegt die puristisch-moderne Probierstube: Aus Eichenholz sind die Bodendielen und die Lamellen der Wandverkleidung. Mittendrin thront ein mehr als acht Meter langer monumentaler Eichentisch, an dessen Seiten sich Holzstühle in unterschiedlichen Formen reihen, in zig Rottönen lackiert, eine Anspielung auf die Farben des Weines. Dazu kommt eine Lounge mit bequemen Polstermöbeln und Weinbüchern auf einem Podest. Ulrich und Marietta Klumpp haben 1983 als echte Seiteneinsteiger in einem Bruchsaler Hinterhof angefangen. Beide waren zuvor »Büromenschen«, ließen ein Jahr vor der Verbeamtung auf Lebenszeit die Verwaltungslaufbahn sausen. Stattdessen folgte das Ehepaar einem Traum: von den Reben leben. »Man findet hier im Kraichgau für jede Rebsorte den Idealboden«, sagt Ulrich Klumpp. Chardonnay-Trauben gedeihen am besten auf Muschelkalk, der Grauburgunder liebt den Tonmergel, der Spätburgunder wächst gern auf Keuper. Das Weingut hat eine steile Karriere hingelegt: Die ersten Flaschen wurden 1980 als Freizeitvergnügen abgefüllt. 1990 erfolgte der Umzug an den Stadtrand, sechs Jahre später wurde auf Biobetrieb umgestellt. Als klar war, dass die Söhne Andreas und Markus im Familienbetrieb bleiben, folgte 2015 der spektakuläre Neubau. Nachhaltigkeit hat für die Klumpps höchste Priorität: »Das Weingut ist dank Photovoltaikanlage energetisch weitgehend autark.« Bewässert werden nur die ganz jungen Reben und das mit dem Inhalt riesiger Regenwasser-Zisternen. »Auch wir erleben eine zunehmende Bodentrockenheit durch den Klimawandel«, meint Winzer Klumpp. Er geht das Problem anthroposophisch an, mit selbst hergestelltem Kompost, dessen Mikroorganismen mit den Reben »im Dialog stehen« und dadurch den Wasserbedarf regulieren. Kürzlich hat die EU für offizielle Anlässe einen Wettbewerb unter deutschen Winzern ausgelobt. Unter mehr als 100 Bewerbungen wurden sechs Rotweine ausgewählt, zwei davon kommen von der Familie Klumpp. Das Weingut liegt an der Badischen Weinstraße, die sich durch den Kraichgau schlängelt. »Land der 1000 Hügel« oder auch »Badische Toskana« wird die Region genannt. Dabei ist hier durchaus nicht alles Wein. Kornfelder, Wald, Streuobstwiesen und Rebgärten wechseln sich hiermunter ab. Vor der Weiterfahrt muss freilich noch eine Einkehr sein, die zu jedem Ausflug gehört. Der Gasthof Bären in Bruchsal serviert regionale Küche in Bestform. Zudem hat das historische Gebäude eine interessante Geschichte als Versammlungsort in der Badischen Revolution.[...]

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