Schon Kardinal von Schönborn braute Bier

Ausstellung rund um den Gerstensaft beim Bier-Kultur-Fest im Bürgerzentrum

Das deutsche Reinheitsgebot für Bier feiert seinen 500. Geburtstag – und ganz Bruchsal feiert mit. Man könnte auch sagen, endlich schlägt die große Stunde des „Brusler Dorschts“. Denn wo sonst könnte man dieses Jubiläum des ältesten heute noch gültigen Lebensmittelgesetzes besser feiern als im trinkfreudigen Bruchsal? Immerhin soll es dort schon 1670 „vier Herbergs- und elf Gassen-Wirthe sowie sechs Bierbrauer“ gegeben haben.

Der erste Bierbrauer der Stadt war übrigens kein Geringerer als Kardinal Damian Hugo von Schönborn. 1730 errichtete er ihm Hofgut zu Altenbürg, dem heutigen Karlsdorf, ein Brauhaus. Keine Frage, dass das Bier-Kultur-Fest vom 1. bis 3. Oktober im Bürgerzentrum Bruchsal also genau richtig ist.
 
Doch zurück zu Kardinal von Schönborn. Der ließ für sein Brauhaus eigens einen 4.500 Liter fassenden Braukessel mit einem Lastkahn auf dem Rhein von Speyer bis Philippsburg bringen, dort wurde er umgeladen und den Saalbach herauf nach Altenbürg transportiert.
 
Genau genommen ist Bier aber eine absolute Damen-Domäne! Bei den Germanen beispielsweise gehörte das Brauen in die hauswirtschaftliche Abteilung der Hausfrauen wie Kochen und Backen. Und auch die Benediktiner Äbtissin Hildegard von Bingen wusste die heilende Wirkung des Gerstensafts zu schätzen. Deutschlands berühmteste Bierbrauerin ist wohl Katharina von Bora, Ehefrau Martin Luthers. Von unterwegs schrieb er ihr sehnsüchtig, sie möge ihm doch „Pfloschen ihres Bieres zu ihm schicken so oft sie könne“.

Ja, es gibt so einige spannende Geschichten rund um das Bier und seine Bedeutung für die Menschheit. Und die hat die BTMV eigens für das Bier-Kultur-Fest in einer ganz besonderen Ausstellung zusammengetragen. Das fängt schon bei den gesunden Zutaten an: Wasser, das durch seine natürlichen Salze die Reaktionen im Brauprozess beeinflusst; Malz, das dem Bier seine Geschmacksfülle und seine Farbe gibt; Hefe, die im Gärprozess den Malzzucker im Malz, Alkohol und Kohlensäure umsetzt sowie Hopfen, die „Seele des Biers“, der beruhigt und dem Bier sein spezifisches Aroma und seinen typisch herben Geschmack verleiht.
 
Auch über die Bier-Tradition der Stadt kann man in der Ausstellung eine ganze Menge erfahren. Manch einer wird ihn sogar noch kennen, den Slogan der Bruchsaler Brauerei Denner: „Alle Kenner trinken Denner“. Drei Generationen waren es, die von 1863 bis 1969 mit ihrem in der Huttenstraße gebrauten Bier den legendären Brusler Dorscht gestillt haben. Mit historischen Fotos und einigen seltenen Exponaten, wie Emaille-Schilder, Bierflaschen und Gläser, darf wieder in die Denner-Zeit eingetaucht werden.
 
In Heidelsheim schreibt ein Familienunternehmen, das sich dem Bier verschrieben hat, ebenfalls Geschichte: Durst Malz, 1824 als Landbrauerei und Mälzerei gegründet. Mittlerweile gehören die Niersteiner Mälzereigesellschaft am Rhein, die Rheinische Malzfabriken Union in Gernsheim und die Westdeutsche Mälzerei GmbH Castrop-Rauxel zum Unternehmen dazu, das heute in der fünften Generation von Andreas Hiby-Durst geführt wird.
 
Anderseits erfährt man auch allerlei Interessantes übers Bierbrauen an sich, über die verschiedensten Zutaten und ihre Wirkungsarten sowie über die neuesten Bier-Trends wie etwa das Craft Beer. Die US-amerikanische Brauervereinigung definiert Craft Beer als Bier „von einem Brauer, der in kleinen Mengen und unabhängig von Konzernen auf traditionelle Weise braut“. Hauptsächlich besticht es freilich durch seine besonders ausgefallenen und seltenen Kreationen. Selbstverständlich auch in Bruchsal, wo mittlerweile BrewMaltsters „Brusl Bräu“ die lange Brautradition der Stadt belebt: „Die Wärme des heimatlichen Südens zeigt sich in einem satten goldfarbenen Schimmer“, versprechen seine BrewMaltsters.
 
Und dann sagt man ja auch, dass Hopfen und Malz schön machen. Bier als Beauty-Trend? Ein Bad im Bottich? „Ein Bad im Bierbottich ist an sich schon eine witzige Idee“, meint Simon Steinhoff, Brauer im Brauhaus Wallhall. „Gesundheitlich gesehen auch nicht abwegig, da allein der Hopfen eine antiseptische Wirkung aufweist. Ich persönlich allerdings bin eher dafür, Bier zu trinken, und nicht um mich reinzusetzen!“
 
 
Weitere Informationen: Bruchsaler Tourismus, Marketing & Veranstaltungs GmbH
Am Alten Schloss 22, 76646 Bruchsal, Telefon 07251 / 505 94-0,
E-Mail: info@btmv.de

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