Seit 2007 verläuft die „Straße der Demokratie“ durch Bruchsal. Sie verbindet von Frankfurt über Mainz bis Lörrach zwölf Städte. Museen, Baudenkmäler und verschiedene Institutionen erinnern an die Geschichte der Freiheitsbewegung im deutschen Südwesten. Sie laden ein, die gemeinsamen freiheitlich-demokratischen Traditionserfahrungen kennen zu lernen.
Geschichte lebendig werden lassen
Als eine der ersten Städte hat Bruchsal die spannende Geschichte um den Freiheitskampf mit fünf Tafeln dokumentiert. Sie sind bei der Justizvollzugsanstalt, auf dem Areal um das Bürgerzentrum, auf dem Friedhof, beim Gasthaus „Zum Bären“ und am Schloss aufgestellt.
Einzelhaft statt gemeinschaftlicher Arbeitsräume. Bruchsal weist in erster Linie auf seine damalige Bedeutung im Strafvollzug hin. Waren doch badische Revolutionäre die ersten Insassen im 1848 fertig gestellten „Großherzoglichen Männerzuchthaus“. Mit einem neuen Strafvollzugskonzept führte Bruchsal die konsequente Einzelhaft ein.
Die demokratisch gesinnte Bruchsaler Bevölkerung befreite die politischen Gefangenen in der Nacht des 13. Mai 1849. Dies ist bis heute ein deutliches Zeichen für den Freiheitswillen breiter Kreise in der Stadt.
Areal um das Bürger- und Veranstaltungszentrum
Das Bürger- und Veranstaltungszentrum schmiegt sich um den Bergfried, den 1358 erbauten Wehrturm des früheren Alten Schlosses. Früher befand sich hier die Zucht- und Korrektionsanstalt (Altes Männerzuchthaus. In der benachbarten Huttenstraße war das so genannte Weiberzuchthaus. Auch aus diesen alten Strafanstalten wurden im Rahmen der badischen Revolution 1849 insgesamt 18 politische Gefangene befreit.
Die Justizvollzugsanstalt Bruchsal
Sie wurde in den Jahren 1841-48 nach Plänen des Großherzoglich Badischen Baudirektors Heinrich Hübsch (1795 1863) und nach dem Vorbild des englischen Gefängnisses in Pentonville erbaut und im Revolutionsjahr 1848 eröffnet. Die Entwicklung ging weg von großen Schlaf- und Arbeiträumen, hin zur Einzelhaft mit Kontaktverbot, dem so genannten „pennsylvanischen“ System.
Im Mai 1849 wurden bei einer Stürmung 28 politische Gefangene durch Mitglieder des Bruchsaler Volksvereins und durch Bruchsaler Bürger befreit. Auf Grund ihres Grundrisses, einer Gruppierung von vier Zellenflügeln um einen oktogonalen, zinnbewehrten Zentralbau, wird die JVA Bruchsal im Volksmund auch „Café Achteck“ genannt.
Heute ist sie eine Strafvollzugseinrichtung des Landes und daher für ziviles Publikum nicht zugänglich.
Gasthof „Zum Bären“
Der Gasthof befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Barockschloss stadtauswärts direkt neben dem Damianstor. 1848/49 war er unter dem Namen „Hetterich’sches Bierhaus“ ein wichtiger Versammlungsort für Revolutionäre.
Der Besitzer Heinrich Hetterich war nicht nur bei der Gefangenenbefreiung im Mai 1849 dabei, sondern er schloss sich auch Willichs Freikorps an und machte mit diesem gegen die Preußen mobil. Gasthäuser waren auch in der Vergangenheit kommunikative Orte, die Raum für politische Reden und Zusammenkünfte boten. Nun kann man hier beim Speisen und Feiern in historischer Umgebung den Geist der Freiheit spüren.
Der Gasthof „Zum Bären“ bietet täglich von 11:00 bis 23:00 Uhr durchgehend warme Küche. Montags ist Ruhetag.
Die Revolutionsopfer von 1848/49
Auf dem Friedhof hinter der Barockkirche St. Peter erinnert ein Gedenkstein an die Opfer der badischen „Volkserhebung“. Als bekannte Bruchsaler Opfer der Revolution von 1848/49 sind hier aufgeführt: Josef Killes, Karl Belgan, Franz Koser, G. Speichler, Joh. Ferg und Peter Lacher.
Heute dienen die Gedenksteine als Mahnmale inmitten einer ruhigen, besinnlichen Atmosphäre. Der neun Hektar große Friedhof ist gleichzeitig die größte Grünanlage der Stadt und ein Bestattungsort für Angehörige verschiedener Konfessionen.
Besichtigungen sind möglich. Die Öffnungszeiten sind an den Toren angeschlagen.
Barockschloss
Nachdem Damian Hugo von Schönborn im Jahre 1719 das Amt des Fürstbischofs von Speyer angetreten hatte, beschloss er, nach Streitigkeiten mit der Stadt Speyer, Bruchsal zu seiner Residenzstadt zu machen. 1722 begann die fast 50-jährige Bauphase. 1945 wurde das Schloss nahezu vollständig zerstört. Nach aufwändiger Rekonstruktion und Restauration sind der Mitteltrakt, das berühmte Treppenhaus von Balthasar Neumann mit dem Kuppelsaal sowie der Marmor- und Fürstensaal seit 1975 wieder für Besucher zugänglich.
Es beherbergt nicht nur das Dt. Musikautomatenmuseum und eine Ausstellung über seine Baugeschichte, im Städtischen Museum findet man auch Exponate, die sich mit der badischen Revolution und der Geschichte des Bruchsaler Strafvollzugs beschäftigen.














